Die Geschichte der Trikes in Deutschland und anderswo 

"Was ist denn das für ein Ding ...", "...ach, wie heißt das, Trike ?", "hmm, noch nie gehört !"
So oder ähnlich verlaufen viele kurze Begegnungen mit Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem Trike gegenüberstehen. Dabei sind die dreirädrigen Gefährte garnicht so neu in Deutschland und anderswo. Mich hat interessiert, was es an historischem Material zu finden gibt. Und so habe ich mich auf die Suche gemacht. Das Ergebnis meiner Bemühungen, das ganz gewiß keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, könnt Ihr auf dieser Seite begutachten. Und vielleicht findet der eine oder andere zwischen den abgebildeten und beschriebenen Vehikeln sein aha-Erlebnis, es würde mich freuen.


wie alles anfing, oder, das erste Auto war ein Trike ...

Benz Motor Wagen 1883 Benz Motor Wagen - Motor Als Karl Benz (1844 - 1929) im Jahre 1886 seinen Motorwagen durch Mannheim lenkte, konnten ihn sportliche Radfahrer noch problemlos überholen. Das Motor-Dreirad schaffte höchstens sechzehn Kilometer pro Stunde. Doch mit dem ersten Benzin-Auto begann eine epochale Entwicklung.
Gemeinhin betrachtet man das Vehikel von Herrn Benz als das erste Automobil, was zweifelsohne auch korrekt ist. Was jedoch bisher meist übersehen wird ist die Tastsache, daß sich dieses Gefährt auf drei Rädern fortbewegt. Es weist bereits einige typischen Merkmale eines Trikes auf:
die zweiradtypisches Vorderradlenkung, ein offen angebrachter Motor, die angetriebene Hinterachse und eine offene Fahrgastzelle. Somit dürfte es als das klassische Ur-Trike schlechthin angesehen werden können. Hurra, wir haben die Wurzeln unseres Stammbaumes gefunden ...


Kostruktionsfehler, oder, warum die Briten sowieso immer alles anders machen ...

HFS Morgan am Steuer seines ersten Dreirads (1909)
Quelle: www.morgan3w.de Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begann man in Großbritannien mit der Fertigung von sogenannten 3-Wheelern. Die Firma Morgan hat sich dabei über die folgenden Jahre und Jahrzente besonders verdient gemacht und noch heute sind diese Fahrzeuge ausgesprochene Liebhaberstücke. Es existieren nationale und internationele Clubs und Vereine, die sich dem Erhalt dieser Oldtimer verschrieben haben und große Treffen organisieren. Technik der Morgan Three-Wheeler
Quelle: www.morgan3w.de Das Chassis der Morgan Dreiräder bestand aus einer gemufften Stahlrohrkonstruktion, einfach im Aufbau aber verwindungssteif und wirksam. Eine Besonderheit für die damalige Zeit war die unabhängige Vorderrad-Aufhängung, das Hinterrad war am Getriebegehäuse mittels Blattfedern befestigt.
Der Motor kann leicht durch das Lösen von vier Bolzen ausgebaut werden. Die Kupplung ist direkt am Motor angeflanscht, von dort aus führt eine Kardanwelle zum Getriebe im Heck des Wagens.
Warum ich bei diesem wunderschönen Gefährt trotzdem von einem Konstruktionsfehler spreche ? Nun, ganz einfach. Der erfahrene Triker wird es sicher bereits erkannt haben:
die Sitze sind verkehrt herum angebracht worden !. Bei jedem "normalen" Trike schaut der Fahrer über das einzelne Vorderrad in Fahrtrichtung nach vorn. Was machen die Briten ? Sie sitzen rückwärts in ihren Trikes ! Aber das ist man ja gewohnt. Schließlich fahren sie ja auch bis heute unbeirrbar auf der falschen Straßenseite ...


Es war einmal, oder, das Dreirad im real existierenden Sozialismus ...

Motor-Selbstfahrer Typ 330 Motor-Selbstfahrer Typ 330 Das in der ehemaligen DDR sowieso alles besser, die Ingenieure pfiffiger und Trike fahren schon seit den frühen 60iger Jahren möglich war, beweisen diese Fotos. Zwar nannte man die Dinge nicht immer so wie im Westen, aber der Begriff "Motor-Selbstfahrer Typ 330" aus dem VEB Medizintechnik Dohna macht doch auch was her, oder ?
Auszug aus der Zeitschrift Kraftfahrzeug-technik Heft 10 1956 S.388:
"Nachdem in dem Moped-Motor des VEB Rheinmetall, Sömmerda, ein geeignetes Antriebsaggregat für Krankenselbstfahrer zur Verfügung stand, konnte die bisher zurückgestellte Fertigung von Motor-Selbstfahrern inzwischen aufgenommen werden. Es enstand ein solides und dennoch leichtes Fahrzeug in Stahlrohrkostruktion, das mit dem 1,6-PS-Moped-Motor bei rund 2,5l/100km !!! Kraftstoffverbrauch eine zweckmäßig begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h erreicht und mit Hilfe des Zweiganggetriebes Steigungen bis zu 12% einwandfrei überwindet (entsprechende Fahrweise vorausgesetzt). Das Versuchsfahrzeug wurde mehrere tausend Kilometer besonders in den Wintermonaten (nix mit Saisonkennzeichen !!!) auf verschneiten und vereisten Straßen sowie auf Steigungen erprobt. Die Konstruktion erwies sich dabei als zweckmäßig und zuverlässig; dazu trägt auch die große Bodenfreiheit bei bedingt niedriger Sitzhöhe von etwa 60 cm bei ...(R.May)". Mal ehrlich, wenn die Bilder nicht wären, könnte man es für einen Testbericht von Rewaco halten ...
Simson Duo 4/1 Aufbauend auf diesen grandiosen Erfolgen gab's kein Halten mehr. Trikes wurden bereits Mitte der 60iger Jahre in der DDR in Serie produziert ! Gut, den Begriff Trike kannte man immer noch nicht, aber faktisch gesehen, war es genau das: das Simson Duo 4/1.
Als technische Innovation war das Fahrzeug damals schon mit einer automatischen Fliehkraftkupplung ausgestattet. Heute zahlt man dafür saftig Aufpreis. Ein besonderes Schmanker'l war die Bremsanlage des Duos: alle drei Räder wurden über Seilzüge gebremst, wobei die Bremswirkung durch nach vorne drücken der Lenksäule erzeugt wird. Und als Krönung hatte das ganze auch noch serienmäßig eine Windschutzscheibe (mit Wischer !), eine Wetterschutzdecke und ein abnehmbares Verdeck. Eigentlich war und ist es die ultimative Vereinigung aller Vorzüge von Cabrio und Trike: klassisches Cruiserfahrgefühl und im Regen wird man nicht naß !


Schuster bleib bei deinen Leisten, oder, warum BMW bis heute kein Trike bauen kann ...

Die Isetta Alles was der Westen diesen zukunftsweisenden Entwicklungen ostdeutscher Ingenierskunst entgegenzusetzen hatte, war ein kleines, mikriges und absolut häßliches Entlein namens Isetta.
Mit dem Rückgang des Motorrad-Absatzes, mit dem man bei BMW nach dem Krieg gut verdient hatte, war man gezwungen, einen neuen Kundenkreis zu erschließen. Verschiedene Versuche in diese Richtung scheiterten kläglich. Darunter beispielsweise der Ansatz eines Rollers, der aber aus Einsicht in seine Nicht-Absetzbarkeit nie produziert wurde. Die Geschichte scheint sich hier gelegentlich zu wiederholen (Was ist eigentlich aus dem BMW C1 geworden ?).
Was macht ein großer Konzern, wenn er es selbst nicht auf die Reihe bekommt ? Richtig, er kauft sich was ein. Nachfolgend der Text der Pressevorstellung im April 1955, nachdem man in Italien die Lizenz für den Bau der Isetta gekauft und eigens dafür einen neuen Fahrzeugtyp-Begriff erfunden hatte: das Motocoupe. :
"Das Motocoupe BMW Isetta, das heute anlässlich eines Presseempfanges in Rottach-Egern am Tegernsee einem großen Kreis von Pressevertretern aus dem ganzen Bundesgebiet und damit der Öffentlichkeit erstmalig vorgestellt wird, ist in seinen grundlegenden Konstruktions-merkmalen ein vollkommen neuer Fahrzeugtyp. Es wäre verfehlt, dieses Fahrzeug als die vereinfachte Ausgabe eines Automobils anzusehen, denn es erhebt nicht den Anspruch, Auto oder Kleinwagen zu sein. Bewußt wurde für die BMW Isetta das Wort 'Motocoupe' geprägt."
Da auch die Italiener die Sitzrichtung verdreht hatten, war auch die Isetta als Trike im ursprünglichen Sinne nicht zu gebrauchen. Ein paar Exemplare fahren heute noch über Deutschlands Straßen und auch für dieses Gefährt haben sich Freunde in Clubs und Vereinen zusammengeschlossen.

Der BMW T1 Anfang der 80iger begann die amerikanische Trikeszene nach Deutschland überzuschwappen. Die grundlegende Konstruktion und Formgebung hat sich bis heute kaum geändert. Firmen wie Rewaco, Wolf, Boom, TrikeTec und wie sie alle heißen haben den immer noch recht kleinen Markt untereinander aufgeteilt und so ist das Trikefahren in Deutschland mittlerweile zu einem teuren Vergnügen geworden. Auch die technische Innovation hat Einzug gehalten. Viele Hersteller experimentieren mit unterschiedlichsten Komponenten und ob es dem einen oder anderen gefällt, oder nicht, der technische Fortschritt läßt sich auch hier nicht aufhalten.
Bei BMW ist anscheinend die Verzweiflung übrig geblieben, von teuren Autos abgesehen nach wie vor kein ordentliches Trike entwickeln zu können. An Versuchen hat es bis in die heutige Zeit nicht gemangelt ...


Nachtrag: Kurz nach Veröffentlichung dieser Seite erhielt ich Post aus der K&K Monarchie. Der Kurt von den  Mad Trikern-Austria  behauptet steif und fest, daß "... einige Pioniere des Trikertums sich bereits etliche Jahre vor dem Benz-Dreirad mit dreirädrigen Fahrzeugen vergnügten. Damals wurde das Fehlen eines Motors noch mit vermehrten Einsatz von Muskelschmalz wettgemacht. Spass gemacht hat es sicherlich auch jede Menge."
Na sieh mal einer an, die Österreicher ! Wollen immer die Nase vorn haben. Wie auch immer, ich halt' mich raus, urteilt also selbst ...

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PS: Kurt, welcher von den beiden bist denn Du ?


Mein Dank gilt all denen, die mir freundlicherweise die Veröffentlichung des Bildmaterials gestattet haben, das Ihr, Freunde des Trikes, auf dieser Seite betrachten durftet. Die zugehörigen Links wurden nachfolgend nochmals in einer kleinen Übersicht zusammengestellt. Beehrt sie mit Eurem Besuch, sie werden sich sicher darüber freuen.

Interessengemeinschaft zur Erhaltung ostdeutscher Motorräder
Umfangreiche Informationssammlung zu den Morgan Three-Wheelers
Der Isetta Club e.V. bezweckt die Erhaltung, Wiederherstellung und Pflege der Isetta, des BMW 600 und BMW 700
die Seiten rund um die Suhler Simson-Fahrzeuge